Aus der franziskanischen Tradition: 2. Teil - Der Name Jesu in der frühen Kirche

In der frühen Kirche gehörte der Name Jesu zur Verkündigung der frohen Botschaft. Das ging sogar so weit, dass im 2. Jahrhundert nach Christus der Name Jesus gekürzt dargestellt wurde. Katakombeninschriften des 3. Jahrhunderts zeigen die Buchstaben Jota und Eta nebeneinander (IH) oder ineinander, sodass der verlängerte Querstich des Eta (H) mit umfasst wurde, wodurch auch ein verborgenes, arkanes Kreuz entstand. Seit dem 4. Jahrhundert fügte man dem IH noch das C (Sigma) hinzu. Durch die Latinisierung wurde daraus das verbreitete IHS. 
Die biblischen Wurzeln der Namen-Jesu-Verehrung findet ihr im ersten Teil. Hier sind einige Zeugnisse aus der frühen Kirche zum Namen Jesu:

Der Kirchenlehrer, der Hl. Justin (um 100 - 162) schrieb in seinem Dialog mit dem Juden Tryphon (30,3):

"Um Befreiung von den Dämonen, welche die ‚Fremdlinge‘ der göttlichen Religion sind, und welche wir ehedem anbeteten, flehen wir nämlich immer zu Gott durch Jesus Christus, um uns durch diesen zu Gott zu bekehren und unbescholten zu sein. Wir nennen jenen ja Helfer und Erlöser. Auch erbeben die Dämonen vor seinem gewaltigen Namen, und sie unterwerfen sich heutigentags ihm, beschworen im Namen Jesu Christi, der gekreuzigt wurde unter Pontius Pilatus, dem Prokurator von Judäa. Aus der Geschichte der Gegenwart ist es nun allen klar, daß sein Vater ihm so große Gewalt gegeben hat, daß selbst die Dämonen seinem Namen und der Heilswirkung seines Leidens sich unterwerfen."

 

Beim Hl. Irenäus (um 135-200) lesen wir: "In seinem Namen wirken deshalb seine wahren Schüler, die von ihm die Gnade empfangen haben, Wunder an den übrigen Menschen, wie ein jeder von ihm die Gnade empfangen hat. Die einen treiben wahrhaft und bestimmt Geister aus, so daß oftmals die ihnen glauben, die von den bösen Geistern befreit sind, und in die Kirche eintreten. Die andern schauen in die Zukunft, haben Gesichte und weissagen. Wieder andere legen den Kranken die Hände auf und machen sie gesund. Ja sogar Tote sind auferstanden, wie wir bereits gesagt haben, und lebten unter uns noch etliche Jahre. Doch wer vermöchte alle die Gnaden aufzuzählen, welche die Kirche auf der ganzen Welt von Gott empfängt und zum Heile der Völker im Namen Jesu Christi, des unter Pontius Pilatus gekreuzigten, Tag für Tag ausspendet. Und keinen verführt sie oder nimmt ihm sein Geld ab. Denn was sie umsonst von Gott empfangen hat, teilt sie umsonst auch aus."

 

Origenes ( 185 - ca. 254) schrieb: "Ich möchte den Namen Christi tragen, der als Segen aufunserer Erde ist. Dahin geht meine Sehnsucht, dass mein Geist und meine Werke mir das Recht geben, als Namen zu tragen Christ." Weiter schreibt er: "Auch heute befriedet der Name Jesus die verwirrten Seelen, unterwirft Dämonen, heilt Krankheiten; sein Gebrauch lässt eine wunderbare Süsse entsrömen."

 

Der Hl. Gregor von Nyssa (335/340-394) legt in seinem Buch "Über die christliche Vollkommenheit" dar: "Paulus hat am besten von allen gewusst, wer Christus ist, und hat durch sein Leben gezeigt, wie der sein muss, der Christi Namen trägt. Denn er ahmte ihn so genau nach, dass an seiner Person die Gestalt des Herrn sichtbar wurde... Paulus hat uns gelehrt, welche Bedeutung dieser Name Christus hat, als er sagte: `Christus ist die Kraft Gottes und Gottes Weisheit` (1 Kor 1,24). Weiter nannte er ihn `Friede` (Eph 2,14) und `unzugängliches Licht, in dem Gott wohnt` (1 Tim 6, 16); `Heiligung und Erlösung` (1 Kor 1,30); `erhabener Hoherpriester` (Hebr 4, 14)...

Viele andere Namen dieser Art gibt Paulus Christus; es sind ihrer so viele, dass man sie kaum aufzählen kann. All diese Namen, in ihren verschiedenen Bedeutungen zusammengenommen, vermitteln einen Begriff von der erhabenen Bedeutung dieses Namens `Christus`. Je tiefer unsere Seele in das Verständnis dieses Namens eindringt, um so mehr begreifen wir die Herrlichkeit Christi, die alle Worte übersteigt.

Die Güte unseres Herrn hat uns Anteil gegeben an dem grössten, dem göttlichsten und dem ersten aller Namen: Wir wurden ausgezeichnet mit dem Namen Christi selbst, so dass wir Christen genannt werden. Darum müssen wir alle Bezeichnungen, die der Erklärung dieses Namens dienen, an uns sichtbar machen, damit wir nicht zu Unrecht Christen heissen, sondern für diesen Namen durch unser Leben Zeugnis ablegen."

 

(aus der Schrift "Der Name Jesus sei euer Gruss" von unserem Mitbruder Gottfried Egger OFM)