Aus der franziskanischen Tradition: Name-Jesu-Verehrung

Am dritten Januar feierten wir den "heiligsten Namen Jesu". Nicht nur der  dritte Januar, sondern der gesamte Monat Januar ist dem Heiligsten Namen Jesu geweiht. Die Verehrung des Namens Jesu ist in unserer Ordensspiritualität tief verwurzelt und gehört zu unserer Verkündigung. 
Der heilige Franziskus war ein grosser Namen-Jesu-Verehrer (siehe 1 Cel 114; 1 Cel 82, 1 Cel 86). In seinem Brief an den gesamten Orden schreibt Franz von Assisi über den Namen Jesu: "Wenn ihr seinen Namen hört, betet ihn an mit Furcht und Ehrerbietung, tief zur Erde gebeugt (vgl. Neh 8,6): Es ist der Herr Jesus Christus, dessen Name `Sohn des Allerhöchsten` (vgl. Lk 1,32), `der gebendeit ist in Ewigkeit`" (Brief an den gesamten Orden, 4) 

Wir möchten deshalb kurz auf diese schöne Tradition eingehen. Im ersten Teil geht es um die biblischen Wurzeln, im zweiten Teil um den Namen Jesu in der frühen Kirche und dann noch im dritten Teil die Namen-Jesu-Verehrung beim Franziskaner Bernardin von Siena. Viel Freude dabei! 

1. Die biblischen Wurzeln 

Gott hat im brennenden Dornbusch seinen Namen offenbart. Zunächst deuter er ihn: Ich bin der "Ich bin" (vgl. Ex 3,14; eine andere Übersetzung lautet: Ich bin, der ich für euch da bin; wieder eine andere: ich bin, der ich immer bin). "So sollst du zu den Israeliten sagen: Der `Ich-bin-da` hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: JHWH, der Gott eurer Väter..., hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer" (Ex 3, 14.15). - "Ich bin JHWH, das ist mein Name", heisst es auch im Ersten Lied vom Gottesknacht bei Jesaja (Jes 42, 8). 

Die Frommen Israels sprachen aus Ehrfurcht diesen heiligen Namen nicht aus, sondern umschrieben ihn mit der Bezeichnung Adonai, Herr, oder sie nannten Gott einfach "Gott", Elohim bzw. El. Selbst Zahlzeichen - die hebräische Buchstaben dienten auch zur Darstellung von Zahlen - durften die heiligen Silben nicht verwendet werden und wurden durch andere ersetzt. 

Im Segen, den Aaron spricht, wendet sich Gott seinem Volk zu: "So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, und ich werde sie segnen" (Num 6,27). In diesem Segen ist der Name des Herrn mit der Verheissung verbunden, den seinen Obhut, Erleuchtung, Gnade, Zuwendung und Heil zu schenken. Und so lobt Gott durch Johannes die Gemeinde in Pergamon: "Und doch hälst du an meinem Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet" (Off 2, 13), trotz der Verfolgung, der die Christen im römischen Reich ausgesetzt waren.

Nach alttestamentarischer Auffassung offenbart der Name das Wesen einer Person. Der name macht deutlich, wer jemand ist. Deshalb bedeutet, den Namen einer Person kennen, jemanden in seiner Einzigartigkeit zu kennen. Wer einem anderen seinen Namen offenbart, gibt ihm Zugang zu seiner Person, Zugang zu seinem Innern. Der Name ist Sinnbild und Träger der Person. Im zweiten Geobt heisst es, wir sollen Gottes Namen ehren, weil Gott selbst in ihm gegenwärtig ist. So hat Gott mit seinem Namen dem Menschen einen Zugang zu sich geschaffen.

Vor über 2000 Jahren ist dieser Name Gottes ganz konkret geworden in dem Kind von Betlehem. Jesus, latinisiert aus dme griechischen Iesous, das wiederum eine Transkription des althebräisch-aramäischen Jehoschua mit seiner Kurzform Jeshu(a) ist, bedeutet: in Jahwe ist Rettung. Im Deutschen wird dies in der Bezeichnung "Heiland" wunderbar zusammengefasst.
In Jesus, dem Immanuel - Gott mit uns (vgl. Mt 1, 23), offenbart sich derselbe Gott, der sich Mose im Dornbusch zeigte. So stellte Jesus sich den Juden, die nicht glauben konnten, dass er Abraham gekannt habe, folgendermassen vor: "Noch ehe Abraham wurde, Bin ich" (Joh, 8, 58b). Auch deshalb kann Jesus sagen: "Ich bin im Namen meines Vaters gekommen" (Joh 5, 43). Und so drückt der Name des einen Gottes, des Vaters und des Sohnes, sein Wesen aus: Er ist da, immer und für alle Menschen, helfend und rettend.

Weil das Wort der Sohn des Höchsten und damit Gott selbst ist - denn "das Wort war Gott" (Joh 1,1), enthält der Name Jesus sein wahres Wesen: Gott heilt, Gott rettet - Heiland, Retter. Und so wird im Namen Jesus gleichzeitig Gott verherrlicht: "Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrrlicht wird." (Joh 14,14) 
Vom Evangelisten Lukas wird uns in der Apostelgeschichte bezeugt, dass in diesem Namen Heil und Rettung enthalten ist: "Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Namen unter dem Himel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen." (Apg 4,12) 

Das erste bemerkenswerte Wunder des Apostel Petrus geschah am Pfingsttag.  Er heilte im Namen Jesu einen Gelähmten in der Nähe der Schönen Pforte: "Als er (der Gelähmte) nun Petrus und Johannes in den Tempel gehen sah, bat er sie um ein Almosen. Petrus und Johannes blickten ihn an und Petrus sagt: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi des Nazaräers, geh umher! Und er fasste ihn an der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich kam Kraft in seine Füsse und Gelenke; er sprang auf, konnte stehen und ging umher." (Apg 3, 3-8)

Die Jünger Jesu treten in seinem Namen auf, verkünden die frohe Botschaft, taufen die Menschen und rufen sie zur Umkehr auf. Sie heilen auch in seinem Namen. Sie tun das nicht in ihrer Vollmacht, sondern in der Vollmacht des Namens Jesus. Es ist verständlich, dass die Juden über die wunderbare Heilung staunten. Petrus antwortete ihnen: "Was wunder ihr euch darüber? Was starrt ihr uns an, als hätten wir aus eigener Kraft und Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? Der Gott unserer Väter hat seinen Knecht Jesus verherrlicht. Weil er an seinen Namen geglaubt hat, hat dieser Name den Mann hier, den ihr seht und kennt, zu Kräften gebracht; der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt." (Apg 3, 12-16)

Eines ist ganz wichtig: Der Name Jesus ist nicht eine magische Formel, die jeder einfach anwenden kann und die immer funktioniert. Wer im Namen Jesu wirken möchte, der muss auch in der Nachfolge Jesu, unseres Herrn und Meisters, stehen. Die Apostelgeschichte berichtet davon, dass jüdische Beschwörer im Namen Jesu Dämonen austreiben wollten, doch diese gehorchten ihnen nicht. Vielmehr entgegneten sie: "Jesus kennen wir, doch wer seid ihr?" (Apg 19, 13-16) 

Gott hat Jesus über alle erhöht "und ihm den Namen verliehen, der grösser ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: `Jesus Christus ist der Herr` - zur Ehre Gottes, des Vaters" (Phil 2, 9-11). Jesus ist nicht nur Sieger über den Tod, sondern auch Sieger über die Sünde und über die Mächte der Finsternis. Welcher Dämon möchte schon beim Klang des Namens Jesus seine Knie beugen? Lieber flieht er! Jesus sagt selbst: "In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben" (Mk 16, 17). 

(aus der Schrift "Der Name Jesus sei euer Gruss" von unserem Mitbruder Gottfried Egger OFM)