Ein Adventsimpuls: Das kleine Licht der Kerze, das im Advent entzündet wird, entspricht präzis der Wahrheit, auf die wir uns vorbereiten

Vor wenigen Jahren ist ein Sohn einer mir gut bekannten Familie mit dem Auto tödlich verunglückt, in der Nähe von Bülach.

Bei der Unfallstelle haben seine Freunde viele Kerzen angezündet – ein kleines Meer von Lichtern. Gerade bei Unglücksfällen, wenn es so traurig und unfassbar ist, hat der Mensch spontan das Bedürfnis, ein Licht anzuzünden. Und eigenartigerweise nicht grosse, grelle Lampen; sondern ein kleines, flackerndes Kerzenlicht – es ist zwar klein, aber es trägt Hoffnung in sich.

Wenn das neue Kirchenjahr beginnt, dann macht die Kirche es genauso. Sie macht nicht auf grossen Spektakel; sie macht nicht Party; sie zündet ein kleines Licht an:

das Licht der Adventskerze.

Klein und verletzlich – und doch eine starke Flamme, die leuchtet und wärmt in unserer Welt, die manchmal kalt, chaotisch und brutal ist. Auch später, in der wichtigsten Nacht des Kirchenjahres, in der Osternacht, dasselbe:

auch da macht die Kirche nicht Klamauk; sie macht keinen Lärm – sie zündet wieder ein kleines Licht an; das Licht der Osterkerze. Das Licht, das dann in die dunkle Kirche getragen wird mit dem Ruf: Lumen Christi! Licht Christi! An diesem Licht Christi ist unsere Taufkerze entzündet worden – wir sind der Finsternis und der Macht des bösen Feindes entrissen – wir leben aus Gott.

Das Licht einer Kerze ist nicht grell und aufdringlich, wie künstliches Neonlicht oder schrille

Lichtinstallationen. Und doch ist es Licht, das brennt und Hoffnung in sich trägt.

Das kleine Licht der Kerze, das beim Adventskranz entzündet wird, entspricht präzis der Wahrheit, auf die wir uns vorbereiten – auf die Geburt Christi. Gott wird Mensch, geboren von der

Jungfrau Maria.
Gott wird nicht grell und mit Lärm in dieser Welt geboren – sondern unscheinbar, in einem unbekannten Winkel dieser Welt. Ich muss zugeben, ich habe mir schon öfters gewünscht, dass Gott machtvoller und unwiderstehlicher in unsere Welt käme. Aber Gott will es anders. Er kommt als Licht in diese Welt; wie das Licht einer Kerze – klein und verletzlich; und doch stark und die Hoffnung selber. Die Frage an jeden von uns ist: Nehmen wir das Licht auf?

Im Evangelium des Weihnachtstages wird es heissen: ‚Das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.‘ Das ist die grosse Frage: Nehmen wir Sein Licht auf? Nehmen wir Jesus ernst?

Wie gesagt: In manchen Momenten hat der Mensch spontan das Bedürfnis, ein Kerze anzuzünden. Das Licht der Kerze wärmt und gibt Hoffnung. Die Kirche zeigt uns: Dieses Bedürfnis ist im Grunde

nichts anderes als die Sehnsucht nach Gott. Gott wohnt im Licht; im Licht, das unseren Fragen und Zweifeln und unserem Leben Sinn gibt. Jede Kerze spricht eigentlich von der Gegenwart Christi; sie spricht von unserer Sehnsucht nach Gott.
Und noch etwas sagt uns die Kerze: etwas, das noch viel entscheidender ist: Gott sehnt sich nach uns. Er sehnt sich danach, unsere Dunkelheit zu erleuchten. Gott will Sein Licht/ Sein Leben mit uns teilen. – Schauen wir in diesem Advent oft auf das schlichte Licht der Kerze – es lehrt uns viel; es zeigt uns: Gott ist Da. Das wahre Licht brennt für dich. Der Heilige Geist will in dir Heimat finden – damit du in Gott daheim bist, für immer. (Pater Raphael Fässler, Maria Dreibrunnen)

 

Eine gesegnete Adventszeit wünschen wir Euch!