Wer länger im Glauben unterwegs ist, kommt meistens an einen Punkt, an dem das Wort-Gebet bei aller grundlegenden Wichtigkeit allein nicht mehr genügt. Folgende oder ähnliche Fragen stellen sich: Gibt es eine Methode der Sammlung im Schweigen vor Gott? Und vor allem: Gibt es eine typisch franziskanische Form dieser liebenden Sammlung auf Gott hin jenseits der Gedanken, Bilder und Worte?
Während sich viele dafür einer anderen Spiritualität zuwenden, meistens der ignatianischen Betrachtung und Kontemplation, sollen hier in loser Folge einige Franziskaner vorgestellt werden, welche mit gutem Grund als Kenner des Gebets der inneren Sammlung gelten und grossen Einfluss auf andere Mystiker im Spanien des 16. Jahrhunderts wie etwa Ignacio de Loyola, Teresa de Avila und Juan de la Cruz ausübten.
Nach M. Andrès sind aus der Zeit zwischen 1500 und 1640 im iberischen Raum unzählige Texte erhalten geblieben, welche sich mit Fragen rund um das innere Gebet beschäftigen. Ein beträchtlicher Teil dieser Werke entstammt der Feder von Männern und Frauen, welche der franziskanischen Bewegung angehörten. Der Literaturwissenschaftler Marcelino Menéndez y Pelayo, welcher sich Ende des 19. Jahrhunderts intensiv mit dem Kulturerbe der spanischen Mystiker auseinandergesetzt hat, lobt die Werke der franziskanischen Autoren als die „klassischsten und schönsten Bücher über die Gottesliebe“, die im 16. Jahrhundert geschrieben worden sind.
Francisco de Osuna
Geboren im geschichtsträchtigen Jahr 1492 und Ziehsohn des mächtigen Reformers und späteren Kardinals Francisco Jiménes de Cisneros gilt Francisco de Osuna aus heutiger Sicht als derjenige, der als erster über die Autorität verfügte, eine kodifizierte Version des Gebets der inneren Sammlung (recogimiento) vorzulegen.
Francisco begann mit der Niederschrift seiner geistlichen ABCs (Abecedarios espirituales) bereits um 1520 während seiner Zurückgezogenheit im Reformkloster Nuestra Señora de la Salceda in Kastilien. (Ein geistliches ABC bedeutet, dass jedes Kapitel oder Traktat mit einer Überschrift beginnt, deren erster Buchstabe in geordneter Folge dem ABC entstammt. Dies sollte den Lesern eine Hilfe sein, um die Inhalte der einzelnen Traktate auswendig zu lernen.)
Als Francisco sich in den folgenden Jahren einer intensiven Predigttätigkeit widmete, begegnete er der Lehre des „radikalen Loslassens“ im Gebet (dejamiento), welche vor allem auf Isabel de la Cruz, einer franziskanischen Terziarin, und den Laien Pedro Ruiz de Alcaraz zurückging und von einigen Brüdern in der Region Kastilien mit Enthusiasmus aufgenommen worden war. Da die Lehre des dejamiento bereits 1523 von der strengen Franziskanerobservanz und 1525 von der Inquisition durch das Edikt von Toledo verurteilt wurde, geriet das Gebet der inneren Sammlung auch innerhalb des Ordens stark unter Druck. Die besondere Leistung Osunas besteht darin, dass er sich in seinen Schriften nicht nur klar von den mehr oder weniger häretischen Gruppierungen abgrenzt, für welche das Gebet der Sammlung mit einer ekstatischen Gott-Unmittelbarkeit verbunden ist (Alumbrados), sondern das Gebet der inneren Sammlung auch klar in Verbindung bringt mit geistlichem und menschlichem Wachstum. Wer sich in der Gebetsmethode der inneren Sammlung übt, ist nach Osuna nicht nur fromm, sondern auch gebildet, entsprechend dem christlichen Bildungsideal der Renaissance! Bereits während seiner Studienzeit an der von Kardinal Francisco Jiménes de Cisneros gegründeten Universität Alcalá de Henares wurde Osuna geprägt von einer geistigen Offenheit, welche die Bibel und die Tradition im Hinblick auf eine pastorale Erneuerung der Kirche in seiner Zeit zu verstehen suchte. Osuna ist es denn auch, der als erster Autor geistlicher Unterweisung in der gehobenen spanischen Volksprache des Romance schreibt, was nicht nur der Verbreitung seiner Werke zugutekam, sondern auch späteren Autoren der spanischen Mystik wie Teresa de Avila oder Juan de los Ángeles den Weg hin zu volksprachlichen Publikationen eröffnete. Obwohl Francisco de Osuna selbst ein durchaus aktives Leben führte – er war zeitweise „Generalkommissar de las Indias“, d.h. Betreuer der nach Amerika ausgesandten Franziskanermissionare –, gilt sein Augenmerk in seinen Schriften vor allem der Einkehr in das Innere des menschlichen Herzens. Eine ausgewogenere Sicht zwischen kontemplativer Sammlung und Engagement nach aussen findet sich bei den ihm folgenden Autoren, welche später vorgestellt werden sollen.
Der Weg der Sammlung
Im 15. Traktat seines Dritten geistlichen ABC (Tercer Abedecedario Espiritual) spricht Francisco de Osuna von verschiedenen Formen der Sammlung. Seine Anweisungen sind auch heute, in einer Zeit ständiger Unterbrechung unserer Aufmerksamkeit durch die sozialen Medien, immer noch aktuell:
Das Geheimnis des Gebetes der Sammlung ist so bemerkenswert, vortrefflich und göttlich, dass es zu allem Guten dient und allen Nutzen bringt. Es gibt Nichts, das sich vor seinem wärmenden Licht verbergen kann. Es ist wie die Sonne, welche alles erleuchtet und für die Erschaffung von allem notwendig ist. Denn ohne Sammlung kann niemand irgendetwas Gutes tun. Wenn der Schreiber bei dem, was er schreibt, nicht aufmerksam und gesammelt ist, wird er viele Lügen verbreiten, und zugleich den Leser hineinziehen. Und wenn der Schreiner nicht bei der Sache ist, dann verwundet er sich an der Hand. Und ähnlich alle Beamten, wenn sie nicht gesammelt ganz bei der Sache sind, werden sie es nicht gut machen.
Daher ist es mit all den andern Dingen gleich, um welche Tätigkeit es sich auch immer handelt, und sei es Handarbeit: Derjenige, der weniger abgelenkt ist von den Dingen, die er nicht in den Händen hält, wird besser arbeiten. Und je mehr der Maler seine Gefühle auf das Bild, das er vor sich hat, gesammelt hält, desto vollendeter wird das Ergebnis sein, in der Weise, dass wenn er ein Bild, das die Freude darstellt, gut malen will, er selbst fröhlich sein muss. Und wenn er ein trauriges Bild malen will, dann wird es ihm helfen, selbst traurig zu sein. Denn auf diese Weise ist er gesammelter, in dem, was er tut und ist gleichsam in dieses verwandelt. Denn die Sammlung ist eine Art Transformation in das, woraufhin wir uns sammeln.
Und da die inneren Tätigkeiten vortrefflicher sind als die äusseren, ist für sie eine grössere Sammlung notwendig, und dass wir uns stärker in sie verwandeln. Daher müssen sich diejenigen, welche die Passion des Herrn gut betrachten wollen, von allen anderen Dingen zurückziehen (recoger) und sich allein in diese [Passion] verwandeln, als ob sie persönlich in Gegenwart der Geheimnisse wären, an die sie denken.
Und wenn jemand einige Geheimnisse mit seinem Verständnisvermögen tief erforschen möchte, dann muss er sich ganz auf das, was er verstehen möchte, sammeln, indem er sich von jeder anderen Sorge absondert. So als ob es nichts anderes gäbe, das er zu tun oder zu denken hätte als das, worauf hin er sich ganz verwenden will, ohne seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten. Und von dem, von dem er nichts wissen möchte, muss er sich absondern. Und dazu wird ihm auch die körperliche Sammlung viel helfen, und sogar der dunkle Ort, so dass seine Sinne sich nicht zerstreuen und mehr geeint und gesammelt sind auf das hin, was er betrachten will.
Man muss ohne Zweifel zur Kenntnis nehmen, dass die grössere oder geringere Vollkommenheit der Sammlung sich nach dem bemisst, worauf sie sich richtet. Und ihre unterschiedliche Qualität hängt ab von der Verschiedenheit der Dinge, für die sie verwendet wird. Ohne Zweifel ist diejenige Sammlung am vollkommensten, welche sich auf Gott ausrichtet, denn von allem, was nicht Gott ist, muss der Mensch sich lösen, um sich ganz an unsern Herrn und Gott zu binden und sich in ihm zu sammeln. Und deshalb sagt unser Schreiben: Lass alle Zerstreuungen hinter dir, indem du die Augen auf den Boden niedersenkst.
Der Weg der Liebe
Im 6. Traktat seines Dritten geistlichen ABC versucht Francisco, dem Gebet der inneren Sammlung verschiedene Namen zu geben. Hier seien nur zwei wiedergegeben, „Kunst des Liebens“ und „Vereinigung“ mit dem Willen Gottes im Gebet. Der Wille soll nicht angestrengt oder gezwungen werden, sondern soll sich immer mehr auf Gott ausrichten und im Willen Gottes verweilen:
Man nennt diese Art zu beten auch «Kunst des Liebens»; denn nur durch die Liebe erreicht man sie, und mit ihr vermehrt sich die Liebe, mehr als durch irgendeine Kunst oder Kunstfertigkeit. Sie heißt auch Kunst des Liebens, weil der Gott der Liebe, Christus, sie jene Menschen lehrt, die ein liebendes Herz haben. Oft werden Menschen durch Geschick oder Kunstfertigkeit besiegt, die durch pure Kraft nicht besiegt werden können, so wie es bei David war, der mehr durch Geschick als durch Kraft den Goliath besiegte. Auch die wuchtigen Elefanten werden durch die Geschicklichkeit der schwächeren Jäger besiegt.
Diese Übung heißt auch «Vereinigung»; denn indem der Mensch auf diese Weise zu Gott kommt, wird er eines Geistes mit ihm durch den Austausch der Willen, so dass der Mensch nichts anderes mehr will als das, was Gott will, und Gott sich nicht vom Willen des Menschen entfernt, sondern beide in allem eins sind, so wie Dinge, die vollkommen miteinander verbunden sind, sich fast selbst verleugnen und sich vollkommen zufrieden geben mit ihrem Anteil… Diese Vereinigung bewirkt, dass der Mensch eins mit sich selbst ist und eins mit seinem Nächsten.
Der Weg des Schweigens
Im 21. Traktat seines Dritten geistlichen ABC unterscheidet Osuna drei Arten des liebenden Schweigens vor Gott. Das Schweigen dient einer immer tieferen Kommunikation und Freundschaft mit Gott. Zunächst gilt es, die äusseren Sinne gegenüber den Reizen der äusseren Umgebung zum Schweigen zu bringen. Dies ermöglicht eine neue Form des Schweigens, in welcher das Herz immer rezeptiver bzw. hörender gegenüber dem anwesenden Geheimnis Gottes wird. Schliesslich, und dies ist reines Geschenk, „verliert“ sich die Seele im unendlichen Meer der Liebe Gottes. In diesem Sich-Verlieren in Gott kommt die Seele ganz zur Ruhe:
Es gibt beim kontemplativen Gebet drei Arten des Schweigens, wenn wir die unwichtigeren beiseitelassen. Die erste erfahren wir, wenn in uns alle Gedanken, Vorstellungen und Bilder des Sichtbaren aufhören und die Seele gleichsam gegenüber dem Geschaffenen schweigt, so wie es Ijob sich wünschte, als er sagte: „So läge ich nun still und schliefe. Im Traum ruhte ich mit den Königen und Herrschern der Erde, die sich Einsiedeleien bauten“. Wir versenken uns gegenüber den zeitlichen Dingen in Schlaf, wie Gregor der Grosse sagt, und schweigen innerlich, wenn wir uns in die Verborgenheit unserer Seele zurückziehen, um den Schöpfer zu schauen.
Die zweite Weise des Schweigens gleicht jener geistlichen Musse, mit der sich Maria zu Füssen des Herrn setzte und (mit dem Psalmisten) sagte: „Ich will hören, was mein Gott und Herr in mir spricht“. Ihr galten die Worte des Herrn: „Höre, meine Tochter, sieh mich an und neige dein Ohr, und vergiss dein Volk und das Haus deines Vaters“. Man kann diese zweite Art des Schweigens gut mit dem Zuhören vergleichen, denn der Hörende schweigt ja nicht nur selbst, sondern er will, dass alles in ihm schweige, weil er sich nur so ganz dem zuwenden kann, der zu ihm spricht; besonders wenn er nicht weiss, wo dieser sich befindet, wie es bei der zweiten Art des Schweigens der Fall ist.
So haben wir also zwei Arten des Schweigens: die eine, wenn Gedanken und Bilder aufhören, in unserem Kopf zu kreisen. Die andere, wenn wir uns selbst ganz vergessen mit einer totalen Zuwendung unseres inneren Menschen zu Gott allein. Im ersten Schweigen verstummen die Dinge für uns. Im zweiten Schweigen verstummen wir selbst in tiefer Ruhe und öffnen uns Gott in demütiger, aufrichtiger Hingabe.
Die dritte Art des Schweigens vollzieht sich in Gott, wenn die ganze Seele in ihn verwandelt ist und seine Lieblichkeit in Fülle geniesst. Sie entschlummert darin wie [die Braut des Hohen Liedes] im Weinkeller, und sie schweigt, da es nichts mehr zu wünschen gibt. Dieser Hafen, in den der Herr uns bringt, ist, so möchten wir erklären, eine Ruhe, wie sie die Gottliebenden ersehnen. Man erreicht sie mit Sicherheit, indem man den Verstand mit innerer Gelassenheit in Schweigen versetzt. Unser Bemühen reicht nicht aus, ihn ganz zum Schweigen zu bringen, da diese Anstrengung uns wieder in tausend Fragen verwickelt; sofern wir aber unseren Verstand bereits unseren Möglichkeiten entsprechend in Schweigen versetzten, schenkt Gott selbst uns die ersehnte Ruhe… Denn der Herr selbst kann das Schweigen vervollkommnen, wie es der Prophet versprochen hat, als er sagte: “Fürchte dich nicht, Zion, lass deine Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist stark in deiner Mitte. Er wird dich retten, er wird froh sein über dich, und er wird schweigen in seiner Liebe”.
Der Weg des Herzens
Nicht erst bei Teresa de Avila, sondern bereits bei Osuna findet sich die Metapher der „Seelenburg“. Je tiefer das Schweigen, desto näher befinden sich die Betenden dem eigentlichen Kern ihrer Seele, dem Herz, in welchem sich die Einung mit Gott vollzieht. Der Eintritt in diese Burg des Herzens wird nach Francisco von den Untugenden, der fehlenden Aufmerksamkeit, der Unentschlossenheit und der Gier der „niederen Sinnlichkeit“ behindert. All diese Kräfte versuchen das Herz zu täuschen und von Gott abzulenken. Nach Osuna braucht es deshalb die rechte Anwendung der drei Grundkräfte der Seele, nämlich der Verstandeskraft, der „Zorneskraft“ oder des Mutes und der Sehnsuchtskraft, um diese Täuschungen oder Ablenkungen zu überwinden. Wenn die Seele mit Gottes Hilfe die Hindernisse allmählich etwas hinter sich lassen kann, dann tritt sie ein in die Herzensburg und gelangt in einen Zustand, welcher von Osuna als „Paradies“ bezeichnet wird: eine vertrauensvolle und eine gegenseitig transparente Freundschaft mit Gott. Dieses innere Paradies hat nichts mit einer individualistischen Suche nach Ruhe oder Wellness zu tun, sondern besteht gerade darin, dass Gott selbst im Garten der Seele voll Freude und Zärtlichkeit verweilen kann. Wiederum steht im Zentrum des kontemplativen Betens die immer tiefere Begegnung mit Gott selbst und nicht die Suche nach einem völlig autonomen Selbst. In der Mitte des Paradiesesgarten der Seele entspringen die vier Flüsse der Tugenden der Gerechtigkeit, des Masses, der Stärke und der Klugheit, welche der Seele ermöglichen, sich aus ganzer Kraft für das Gute einzusetzen und andern Menschen und Geschöpfen in einer dienenden und solidarischen Haltung zu begegnen. Dazu einige Zitate aus dem 4. Traktat des Dritten geistlichen ABCs:
Unsere Seele hat drei Hauptkräfte: die Denkfähigkeit oder die Kraft der Vernunft, mit der sie sich leitet; die zornmütige Kraft, mit der sie sich verteidigt; und die Kraft, die wünscht und mit der sie für sich sorgt. Diese drei Seelenkräfte oder Seelenvermögen müssen die Hüter des Herzens sein, damit es von allen Seiten geschützt ist. Dabei hast du zu bedenken, was der Weise sagt: drei Dinge fürchtete sein Herz, und wir konnten sie nennen: Betrug, Kraft und Hunger (vgl. Sir 26,5-9)… Gegen den Betrug setzt man die prüfende Vernunft, wie uns das Beispiel der Jungfrau Maria zeigt, die – als sie den Engel sah – zu überlegen anfing, wie der hl. Lukas sagt, welche Qualität seine Rede habe [d.h. was dieser Gruss zu bedeuten habe]… An die zweite Türe, durch die die Furcht und das Gewalterleiden einzutreten pflegen, stelle man [als Wächter] die zornmütige Kraft, die sehr eifersüchtig ist und die die nächtlichen Ängste hinauswirft… Und drittens, wo Gefahr zu erwarten ist, das sind der Hunger und der böse Wunsch, hervorgerufen durch den Teufel. Dagegen setze man das Verlangen und die «Gier» nach himmlischen Dingen, wie es jener machte, zu dem der Engel sagt: «Ich komme, um dich zu lehren; denn du bist ein Mann der Wünsche» (vgl. Dan 9,23 Vulgata).
Das Herz des Gerechten ist ein irdisches Paradies, wohin der Herr kommt, um sich zu ergötzen; denn er sagt ja, dass es seine Freude sei, bei den Menschenkindern zu wohnen. Es ist auch für uns ein Paradies der Freuden, weil wir im Herzen die Freude des Paradieses zu verkosten beginnen, vor allem wenn Gott in ihm wohnt, und diese Freude, die man im Herzen verkostet, wie der Weise sagt (vgl. Sir 30,16), ist grösser als jedes weltliche Vergnügen.
Die Gnade ist wie eine Quelle, die das Paradies des Herzens bewässert. Man sagt, dass die Hauptquelle des Paradieses sich in vier aufteilt; denn sie stärkt in unserem Herzen die vier Kardinaltugenden, wie unsere Glosse sagt. Und diese sind: Gerechtigkeit, Mass, Stärke und Klugheit, womit die Seele sich versorgt, um gute Werke hervorzubringen…
Diese wenigen Zitate aus dem bekanntesten Werk Francisco de Osunas, dem Dritten geistlichen ABC, haben in euch vielleicht die Lust geweckt, euch tiefer mit seiner Spiritualität zu befassen. Daher einige wenige weiterführende Literaturangaben.
Deutschsprachige Übersetzungen des Dritten geistlichen ABC:
· Francisco de Osuna – Heinrich P. Brubach (Hrsg.), Drittes Geistliches Abecedarium, Teil 1: Widmung, Prolog und Traktate 1 bis 7, Münsterschwarzach 2026. Vollständige Ausgabe in Planung.
· Francisco de Osuna, Versenkung. Weg und Weisung des kontemplativen Gebetes, ausgewählt, übersetzt und eingeleitet von Erika Lorenz, Freiburg i.Br. 1982.
· Peter Dyckhoff, Das geistliche ABC nach Franziskus de Osuna, Freiburg i.Br. 2018 (Populärwissenschaftliche Übersetzung).
Weiterführende Literatur in deutscher Sprache:
· B. McGinn, Die Mystik im Abendland, Band 6/2: Verzweigung. Die Mystik im Goldenen Zeitalter Spaniens (1500-1650), Freiburg 2018.
Weiterführende Literatur in spanischer Sprache:
· Melquíades Andrés Martín, Los recogidos. Nueva Visión de la Mística española (1500-1700), Madrid 1975.
· Melquíades Andrés Martín, Historia de la Mística de la Edad de Oro en España y America, Madrid 1994.
· R.M. Pérez García, Tradición espiritual y autoridad en el libro llamado Abecedario Espiritual de Francisco de Osuna, Hispania Sacra, LXXIII, 148, 2021.