Adventsinput: Welche Sterne führen uns nach Betlehem?

Es war im Sommer 1987. In Ostdeutschland, in der damaligen DDR, fand das erste und einzige Katholikentreffen statt; ein grosses Treffen mit etwa 100'000 Teilnehmern. Katholisch sein und den Glauben praktizieren war in der DDR ein Risiko. Es brachte viele Nachteile mit sich: man durfte kaum ein Studium machen; den Beruf nicht frei wählen, wurde gesellschaftlich isoliert. Erst in den letzten Jahren der DDR war eine so grosse kirchliche Versammlung möglich.

– Bei der Abschlussmesse des Katholikentages sagte der damalige Bischof von Berlin, Joachim Meisner, den Satz: 'Wir wollen keinem anderen Stern folgen, als dem Stern von Betlehem.'

Für uns tönt dieser Satz nicht spektakulär; nicht sehr aufregend. Aber damals verstanden es alle und klatschten begeistert Beifall. Der rote Stern des Kommunismus und des Sozialismus war im Alltag der DDR überall präsent; aufdringlich und ideologisch – und darum war dieser scheinbar harmlos-fromme Satz so explosiv und ein klares Bekenntnis: 'Wir wollen keinem anderen Stern folgen, als dem Stern von Betlehem.'

Der Stern von Betlehem – er führt uns zum Kind in der Krippe; zu Jesus. Er führt uns zum Sohn Gottes und Retter, der unserem kleinen Leben Sinn und Ewigkeit gibt. Wenn wir den Weg des Advents gehen, dann sagen auch wir: 'Wir wollen keinem anderen Stern folgen, als dem Stern von Betlehem.'

Welcher Stern, welche Sterne führen uns nach Betlehem? Es sind vor allem die Heiligen, die vor dem Horizont der Ewigkeit stehen. Die Heiligen: das tönt jetzt nicht sehr aufregend, eher langweilig. – Aber die Heiligen sind lebendige Wegweiser; leuchtende Sterne, die den Weg zu Gott zeigen. Die Welt sagt: Du darfst nichts verpassen. Die hl. Theresa von Avila sagt: 'Wer Gott hat, dem fehlt nichts.' – Die Welt sagt: Geniesse das Leben, denn mit dem Tod ist alles aus. Die hl. Therese von Lisieux sagt: 'Ich sterbe nicht, ich gehe ins Leben ein.' – Die Welt fragt besorgt: Was kommt noch auf uns zu? – Der hl. Franz von Sales sagt: 'Begegne dem, was auf dich zukommt, nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung.' – Die Welt macht Selfies. Der junge Heilige, Carlo Acutis sagt: „Der Blick auf sich selbst, macht traurig; der Blick auf Gott, gibt Freude.“ –– Die Welt fragt: Kann man Gott beweisen? Die hl. Katharina v Siena sagt: 'Gott ist uns näher, als Wasser einem Fisch.' –

Die Heiligen sind Sterne, die uns nach Betlehem führen, zum Kind in der Krippe. Die Heiligen sind Wegweiser zu Gott. Sie waren wach für die Wahrheit: Gott ist da, immer. Achten wir auf die Sterne, die uns nach Betlehem führen; zu Jesus, unserem Retter. (Br. Raphael Fässler, Maria Dreibrunnen)