Mission - Pilger und Fremdling

In manchen Ohren hat das Wort Mission nicht gerade einen positiven Klang. Für manche tönt Mission nach Glauben aufdrängen. Die Mission hat für Franziskus aber eine ganz andere Ausrichtung. Auch hier blickt er auf Jesus Christus: Wie hat sich Gott uns in Jesus Christus gezeigt?

In Jesus Christus zeigt sich, dass Gott sich nicht aufzwingt, sondern Respekt vor uns hat, weil er uns liebt. Respekt kommt vom lateinischen respecuts und bedeutet einen aufmerksamen Blick zu haben, Beachtung zu schenken. Respekt bedeutet also nicht einfach: Du hast deine Meinung, ich habe meine Meinung, und jeder soll einfach so leben, wie er es für gut erachtet.

Wahrer Respekt geht viel tiefer, vorallem jener Respekt, den uns Gott schenken möchte. Gott schaut uns aufmerksam an. Es ist ihm nicht egal und gleichgültig, wie wir leben und wie unser Leben wird. Er schaut uns aufmerksam an, mit einem offenen und suchenden Herzen. Das zeigt sich besonders im Kreuz Jesu. Das Kreuz Jesu sagt mir, da ist jemand, der mich liebt, mehr als sein Leben, stärker als der Tod. Wir sind Gott nicht egal, sonst wäre er in Jesus Christus nicht Mensch geworden und für uns bis ans Kreuz gegangen.

Genau das hat den heiligen Franziskus bewegt. Davon erzählt der Biograph Thomas von Celano: "Es gebe nichts Höheres, sagte Franziskus, als das Heil der Seelen. Und das bewies er oft damit, dass der eingeborene Sohn Gottes sich gewürdigt habe, für die Seelen am Kreuz zu hängen… Er hielt sich nur dann für einen Freund Christi, wenn er die Seelen liebte, die auch Christus liebte." (2 Cel 172)

Franziskus wollte nicht einfach nur auf diese grosse Liebe Gottes schauen, sondern liess sich von ihr bewegen, er wollte mit ihr mitlieben in dieser Welt. Er wollte, dass auch andere Menschen diese Liebe Gottes entdecken und erfahren dürfen. Wenn wir auf einer Wanderung oder am Meer etwas Schönes erlebt haben, wollen wir das unserern Mitmenschen oft weiterzählen und mit Freude teilen. Umso mehr die Entdeckung und Erfahrung des Glaubens an Jesus Christus, das Geschenk der frohen und befreienden Botschaft für diese Welt. Franziskus spricht von drei möglichen Arten der Mission:

1. Zeugnis des Lebens

"Eine Art besteht darin, dass sie weder Zank noch Streit beginnen, sondern um Gottes willen allen Menschen untertan sind und bekennen, dass sie Christen sind." (NbR 16)

Die erste Art von Mission gilt für alle Brüder. Wir sollen durch unser Leben als Brüder Zeugnis geben und dadurch bekennen, dass wir an Christus glauben. Eine Herausforderung, wir versuchen es! Wir versuchen nicht nur als einzelne Brüder von der Liebe Gottes Zeugnis zu geben, sondern auch als Gemeinschaft in unserem Alltag, aber auch an gewissen Anlässen wie zum Beispiel unserer jährlichen franziskanischen Vesper. Wir gehen als Gemeinschaft in eine Pfarrei einer Stadt oder eines Dorfes, singen unser Abendgebet, die Vesper und geben Zeugnis von unserem Leben. Danach kommen wir mit den Menschen vor Ort ins Gespräch.

Der zentrale Punkt im Zeugnis geben von unserem Leben ist aber unser persönlicher Alltag, sowie der einzelne Bruder wirkt und lebt in der Gemeinschaft und unter den Menschen. So unterstützen wir durch unseren Missionsverein FRANZISKANER HELFEN weltweit Brüder und Schwestern in ihrem Alltag vor Ort, um den Menschen die Frohe Botschaft näher zu bringen. Der Missionsverein der Schweizer Franziskaner ist für die Würde des Menschen weltweit im Einsatz, dabei gilt die grösste Aufmerksamkeit den Ärmsten auf dieser Welt. Ebenso begleiten und unterstützen Brüder die Armen auf den Strassen in Zürich. Dabei geht es nie einfach nur um eine soziale Unterstützung, sondern um die Verkündigung und das Zeugnis der Liebe Gottes, die jedem Menschen gilt.

Armut kommt aus dem indogermanischen orph, im griechischen orphonos und im englischen ähnlich mit orphen. Und orphen heisst übersetzt der Verwaiste, der Waise. Die Armut hat seine Wurzeln im Waise sein.

Gott will keine Verwaisten auf dieser Welt, sondern wir dürfen seine Kinder sein. Das ist die Neuheit und die frohe Botschaft: Der Mensch ist nicht mehr allein; er ist nie mehr Waise, er ist für immer Sohn oder Tochter Gottes. Das ist die Botschaft, die die Welt von heute so sehr braucht und die Franziskus jedem Menschen verkünden wollte. Unser Leben ist von Gott geschenkt, wir haben einen Sinn und eine Bedeutung für diese Welt! Wir sind keine Waisenkinder!

 

2. Verkündigung
"Die andere Art ist die, dass sie, falls sie es als gottgefällig erkannt haben, das Wort Gottes verkünden." (NbR 16)

Einige unserer Brüder sind als Priester in der Verkündigung (Predigt) tätig, ebenso mancher Bruder durch Vorträge und Exerzitien. So gibt es zum Beispiel für junge Leute die Marcia francescana, wo man ein paar Tage zu Fuss nach Assisi unterwegs ist, miteinander betet, den Glauben vertieft, sich austauscht und dadurch Gott näherkommt. Ebenso die Mehrwoche am Meer in Kroatien für junge Erwachsene, die in einer Kombination von Kajak fahren, schwimmen, geistlichen Impulsen, Gebet usw. uns in unserer geschenkten Identität und Berufung von Gott zum Wachsen bringen möchte.

Letztlich schätzte aber Franziskus die Predigt des Lebens mehr als die Predigt des Wortes. Zudem wollte er die eigentliche Wortverkündigung nur den besonders geprüften und beauftragten Brüdern anvertrauen:

"Kein Bruder soll gegen Form und Satzung der Kirche oder ohne Erlaubnis seines Ministers predigen… Alle Brüder können jedoch durch Werke predigen." (NbR 17)

 

3. Gebet für die Menschen.
"Warum rühmt ihr euch, Menschen bekehrt zu haben, die meine einfachen Brüder durch ihre Gebete bekehrten?" (2 Cel 103; vgl. 2 Cel 164)

Das Gebet ist nichts anderes als Beziehung mit Gott zu pflegen. Was gibt es daher wichtigeres und schöneres als unsere Mitmenschen, ihr Ringen und ihre Nöte, in unsere Beziehung mit Gott mithineinzunehmen. Gerade durch unser Stundengebet bringen wir unsere Mitmenschen zu Gott. Ebenso gibt es in unseren Häusern das 40 Stündige Gebet, wo wir ganz besonders für die Jugend beten. Darin integriert ist unser Meeting with Jesus, bei dem wir Jugendliche und junge Erwachsene in die Beziehung mit Gott führen möchten und mit ihnen zusammen beten.

 

Letztlich ist die franziskanische Mission eine Friedensmission. Der heilige Franziskus sagt: "Und wenn wir sehen oder hören, dass Menschen Böses reden oder tun, oder Gott lästern, dann wollen wir Gutes sagen und Gutes tun und Gott loben, der gepriesen ist von Ewigkeit zu Ewigkeit." (NbR 17)

Die Armut dieser Welt soll uns dazu gerade drängen "Gutes zu sagen und Gutes zu tun", weil alles Gute von Gott stammt. Und wo überall in der Welt das Gute zum Durchbruch kommt, da kommt auch das Reich Gottes zum Durchbruch. Andererseits soll uns auch die Armut dieser Welt dazu drängen "Gott zu loben und zu preisen von Ewigkeit zu Ewigkeit," weil überall, wo das Lob Gottes unter den Menschen lebendig wird, wo Gott angebetet wird, da geschieht Leben und das Reich Gottes wächst.

So wird vom Franz von Assisi folgendes erzählt: "Bei jeder Predigt flehte er, bevor er den Versammelten das Wort Gottes verkündigte, den Frieden herab mit den Worten: Der Herr gebe euch den Frieden! Diesen Frieden verkündete er allezeit mit grösster Liebesglut Männern und Frauen, allen Leuten, die ihm auf dem Weg begegneten.“ (1 C 23). Wie die Jünger Jesu, so sollen auch seine Brüder den Menschen "Friede diesem Haus" (Lk 10,5) wünschen (vgl. SP 101).

Im Leben der franziskanischen Mission zeigt sich, dass die Brüder "Pilger und Fremdlinge" (vgl. Br 6,1-2) sind. Sie sollen sich nach dem heiligen Franziskus nicht an Orte festmachen, sondern sich überall dorthin senden lassen, wo Gott sie hinruft und wo er um ihre Liebe bittet. Daher haben wir auch keine fixen Standorte.

Der letzte Schritt unserer Reise durch unser franziskanisches Leben führt uns zum Thema katholisch - Kirche. Pax et Bonum – Frieden und alles Gute!