Das Evangelium beobachten - Bruderschaft

Der heilige Franz von Assisi beginnt die bullierte Regel mit folgenden Worten: „Regel und Leben der Minderen Brüder ist dieses, nämlich unseres Herrn Jesus Christus heiliges Evangelium zu beobachten durch ein Leben in Gehorsam, ohne Eigentum und in Keuschheit.“

Und in seinem Testament schreibt er: „Und nachdem mir der Herr Brüder gegeben hatte, zeigte mir niemand, was ich tun sollte, sondern der Höchste selbst hat mir offenbart, dass ich nach der Form des heiligen Evangeliums leben sollte. Und ich habe es mit wenigen Worten schlicht aufschreiben lassen, und der Herr Papst hat es mir bestätigt.“ (Test 14-15)

Franziskus wollte durch das Evangelium auf Jesus schauen und auf ihn hören, wie die Jünger damals, die mit Jesus unterwegs waren und von ihm lernten. Jesus lädt selbst seine Jünger in seine „Schule“ ein: "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele (Matt 11,26)." Franziskus wusste sich durch das Hören des Wortes Gottes persönlich angesprochen. Er hatte dazu auch ein entscheidendes Erlebnis:

„Als Franziskus eines Tages das Evangelium hörte, wie der Herr seine Jünger aussandte zu predigen, liess er es sich nach Beendigung des Gottesdienstes vom Priester genauer auslegen. Als er dann hörte, die Jünger Christi dürfen kein Geld haben, keine Tasche, keine Schuhe und nur ein Gewand – so sollten sie das Reich Gottes predigen und zum Leben in Busse mahnen -, da jubelte er plötzlich auf: „Das ist es, was ich suche! Das zu tun, sehne ich mich mit allen Kräften des Herzens!“ Von Freude überströmend beeilte er sich, das Gehörte in die Tat umzusetzen. Er zog die Schuhe aus, warf den Stab weg und umgürtete sich statt des Lederriemens mit einem Strick. Auch bemühte er sich, alles Gehörte mit grösstem Fleiss und unbedingter Ehrfurcht zu tun; denn er war nicht taub für das Wort Gottes.“ (1 C 22)

Auch für uns Brüder wird dieses Leben nach dem Evangelium eine bleibende Herausforderung bleiben und uns immer wieder neu überraschen. Denn der Weg der Nachfolge ist nie abgeschlossen, wie Jesus selber sagt: "Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weisst aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist." (Joh 3,8) Diese Überraschungen zeigen sich zum Beispiel in der Bruderschaft selbst. Franziskus sagt sehr schön, dass der «Herr ihm Brüder gegeben hat» (Test 14). Denn er wollte zu Beginn gar kein Orden gründen. Er hatte seine Brüder auch nicht ausgesucht, sie waren weder seine besten Freunde noch ein Haufen von Verwandten. Unter seinen ersten Brüdern befanden sich Reiche, Arme, Bauern und Notare, Priester. "Viele aus dem Volke, Adelige und Nichtadelige, Geistliche und Laien begann auf göttliche Eingebung hin, sich dem heiligen Franziskus anzuschliessen, um unter seiner Führung und Leitung für immer Dienst zu tun." (1 C 37)

In Bezug auf das Evangelium wollte der heilige Franziskus, dass alle untereinander Brüder sein sollen, da es nur einen Meister gibt, nämlich Jesus Christus (vgl. Mt 23,8). Das ist bis heute so, wir sind alles Brüder. "Es war ganz gleich, wer oder was der Bruder war, ob reich oder arm, ob adelig oder nicht adelig, ob unbedeutend oder angesehen, ob klug oder einfältig, ob Gebildeter oder Ungebildeter oder Laie im Christlichen Volk." (1 C 31)

Interessanterweise spricht Franziskus auch nicht von einer Aufnahme in den Orden, sondern vielmehr davon, wenn „jemand zu unseren Brüdern kommen will“ (vgl. bullierte Regel 2,1). Darin zeigt sich, dass alles mit dem Angeschaut sein, mit dem Ergriffensein durch Jesus beginnt, wie damals als Jesus seine Jünger gerufen hat. Und ebenso soll diese Nachfolge, diese Lebensweise ergriffen werden, gelebt werden, aus einer Freude heraus auf Jesus zu schauen, auf ihn zu hören und ihm immer wieder neu zu folgen. Es ist eine Entscheidung in eine lebendige Nachfolge. Über den Weg in den Franziskanerorden findest du auf unsere Seite Franziskaner werden weitere Informationen.

Wir sind also in einer Bruderschaft unterwegs und das zeigt sich bei uns, in dem wir miteinander unser Leben teilen und ihm folgen. Unsere Gemeinschaft lebt derzeit an vier Standorten in der Schweiz. Dort versuchen wir vor Ort das Evangelium zu leben und Jesus zu folgen. So beten und singen wir zusammen drei Mal im Tag das Stundengebet. Am Morgen die Laudes, am Mittag die Sext und am Abend die Vesper. Die anderen Tagzeiten betet jeder Bruder für sich. Dieses Stundengebet besteht aus einem Hymnus, Psalmen, weitere Texte aus der Bibel, Fürbitten usw. Die Psalmen hatte Jesus selber schon gebetet und sind das traditionelle Gebet der Kirche. Wir beten das Stundengebet nicht nur für uns selbst, sondern bringen die Begegnungen des Tages und all die Anliegen und Nöte der ganzen Welt vor Gott. Oft begleiten wir die Psalmen mit eigenen Melodien, z.b. auf der Gitarre. Hier kannst du einmal reinhören:

Für Franziskus war das Stundengebet ganz wichtig und betete es auch wenn er unterwegs war: "Wenn er zu Fuss durch die Welt zog, blieb er immer zum Stundengebet stehen; wenn er aber zu Pferd war, stieg er ab." (2 C 96) Ebenso schreibt er in seinem Schreiben ans Kapitel der Brüder: "Ich für meine Person gelobe, dies fest zu beobachten, wie mir der Herr die Gnade geben wird, und ich will, dass die Brüder, die bei mir sind, dies im Offizium (Stundengebet) und den übrigen klösterlichen Verordnungen beobachten." (Kap.6)
Er legt es also uns Brüder ans Herz mit Jesus nicht nur persönlich im Gebet unterwegs zu sein, sondern auch in der Gemeinschaft, was ein grosses Geschenk im Alltag ist. Wie unser Leben nun im Alltag genauer ausschaut, was unsere Mission ist, klicke einfach auf die weiteren Punkte auf unserer Seite Unser Leben.