Wie wir leben


Der heilige Franz von Assisi beginnt sein Testament mit den Worten: "So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus gegeben, das Leben in Busse zu beginnen." Der Herr hat gegeben! Alles beginnt, in dem Gott, der sich in Jesus Christus geoffenbart hat, zu uns spricht und sich gibt. Wir folgen nicht einfach unseren Ideen, unseren Vorstellungen, unseren Träumen nach, sondern Jesus Christus, der uns ruft ihm zu folgen. Die heilige Klara von Assisi, die auch nach dem Leben des heiligen Franziskus Jesus nachfolgen wollte, sagte dazu sehr schön: "Anerkenne deine Berufung: Gott hat dich nicht wegen deiner Weisheit, Stärke, Mächtigkeit berufen, sondern in deiner Schwachheit, Niedrigkeit, deinem Nichtssein vor der Welt. Erkenne diese deine Berufung in Schwachheit an und nimm sie an. Denn deine Berufung ist eine Bewegung, und diese Bewegung heisst Sohn Gottes, der dir zum Weg der Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht worden ist."

Damit dieser Sohn Gottes unsere Bewegung und unser Weg werden kann, spricht Franz von Assisi in seinem Testament auch vom Leben der Busse. Als die ersten Minderbrüder auf ihren Predigtreisen gefragt wurden, wer oder was sie seien, antworteten sie schlicht und einfach, sie seien „Büsser aus der Stadt Assisi“.

Das Wort Busse hat heute in unseren Ohren nicht gerade einen positiven Klang. Man denkt an Strafe, an Polizeibussen usw. Doch das meint Franziskus nicht mit einem Leben in Busse.

Es geht Franziskus um die ganze Hinwendung und Umwendung des Menschen zu Gott und zwar aus der Dankbarkeit heraus. So fängt Franziskus seine zusammenfassende Darlegung des „Lebens in Busse“ in der nicht-bullierten Regel im Kapitel 23 mit einem grossen Dankgebet an. Der Ausgangpunkt ist die dankbare Erfahrung der Liebe Gottes und die folgende Hinwendung zu ihr.

Es geht nicht so sehr um die Frage, wie erkenne ich Gott in meinem Leben, sondern es geht vielmehr um die Frage, ob Gott mich immer wieder neu berühren – ergreifen darf.

Und dieses ergreifen durch Gott geschieht immer in Liebe, eine Liebe, die zuerst ist. Eine Liebe, die anklopft und nicht Macht ausübt. Eine Liebe, die geliebt werden möchte und dadurch erkannt wird. Dieses erkennen durch die Liebe ist nicht ein Erkennen aus Argumenten, sondern geschieht durch die Begegnung mit Gott, durch ein Berührtsein durch ihn. Und in diesem Berührtsein durch Gott, kann ich nicht bei mir selbst stehen bleiben, sondern ich kehre um zu dieser grossen Liebe, die mich ruft mit meinem ganzen Leben mit ihr mitzulieben in dieser Welt. Das hatte der selige Franziskaner Johannes Duns Scotus einmal sehr schön gesagt, dass nämlich der Sinn des Lebens darin besteht, mit Gott mitzulieben. Ausgangspunkt des franziskanischen Ordenslebens ist also das Gott gibt, dass Gott uns diese Berufung schenkt, ein Leben aus der Dankbarkeit und damit in Busse zu beginnen. Der heilige Franziskus sagte daher: «Selig jener Ordensmann, der nur an den hochheiligen Worten und Werken Gottes seine Wonne und Freude hat und dadurch die Menschen in Fröhlichkeit und Freude zur Liebe Gottes hinführt.» (2 Cel 105)

Was dieses Leben in Busse für den heiligen Franziskus bedeutet und wie wir es heute versuchen zu leben, möchten wir in folgenden Punkten ein wenig vertiefen:

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